Psalmen als Klang des ganzen Lebens – Bezirkskonvent des MMC-Bezirks IV in Arrach
Gebet, Musik und die Frage, was der Glaube gerade in bewegten Zeiten zu sagen hat: Beim Bezirkskonvent des MMC-Bezirks IV – Walhalla stand in diesem Jahr das Jahresthema „Eine Symphonie im Gebet – Die Psalmen“ im Mittelpunkt. Die Pfarrgruppen Wiesent, Brennberg/Frauenzell, Tegernheim und Arrach waren dazu am Samstag, 19. September, mit ihren Bannerabordnungen in die Pfarrkirche St. Valentin nach Arrach bei Falkenstein gekommen.
Schon der Auftakt stimmte die Teilnehmer auf einen besonderen Abend ein. Ortsobmann Josef Rosenhammer und Vorbeter Wolfgang Rösl gestalteten einen meditativen Rosenkranz auf der Grundlage des glorreichen Rosenkranzes. Anschließend feierten die Sodalen einen Festgottesdienst mit Zentralpräses Monsignore Thomas Schmid und Pfarrpräses Pfarrer Adolf Schöls. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Brennberger Sängergruppe „Reimars Erben“, die die Feier mit der Deutschen Messe von Franz Schubert eindrucksvoll umrahmte.
„Der Herr ist nahe, denen, die ihn rufen“
In seiner Predigt rückte Zentralpräses Monsignore Thomas Schmid den Psalm 145 in den Mittelpunkt. Der Psalm, der zwischen den beiden Lesungen von Wolfgang Rösl vorgetragen wurde, enthält eine Botschaft, die weit über die schönen und erfolgreichen Momente des Lebens hinausreicht.
Besonders die Aussage „Der Herr ist nahe, denen, die ihn rufen“ nahm Schmid genauer in den Blick. Was bedeutet diese Nähe Gottes bei Erfolg und Glück – und was bedeutet sie bei Misserfolg, Krankheit, Leid und Schmerz? Auch die Worte „Herr, jeden Tag will ich dich preisen“ werfen Fragen auf: Gilt dieses Lob nur an den guten Tagen?
Für den Zentralpräses liegt die Antwort in der Verlässlichkeit Gottes. Es gebe keinen Tag, an dem Gott nicht beim Menschen sei, betonte Schmid. Gerade deshalb könne es auch in schwierigen Zeiten Grund geben, Gott zu preisen. Die Psalmen, so seine Botschaft, wollten dabei nicht einfach überflogen werden. Vielmehr lohne es sich, jeden einzelnen Satz bewusst zu lesen, innezuhalten und darüber nachzudenken.
Die ganze Bandbreite des Lebens in den Psalmen
Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Teilnehmer im vollbesetzten Pfarrsaal zum eigentlichen Konvent. Unter der Leitung von Bezirksobmann Josef Zimmerer begrüßte Ortsobmann Josef Rosenhammer die Gäste. Der seit Februar 2026 amtierende Präfekt Peter Pilz stellte sich dabei erstmals den Sodalen des Bezirks IV vor. Er erinnerte daran, dass der September mit den Festen „Maria Geburt“, „Maria Namen“ und „Schmerzen Marias“ zugleich ein besonderer Marienmonat sei. Pfarrer Adolf Schöls sprach ebenfalls ein Grußwort und sein Dank galt vor allem den zahlreichen Ehrenamtlichen der MMC Arrach, die den Rosenkranz vorbereitet und gestaltet sowie den Pfarrsaal für die Veranstaltung hergerichtet hatten.
Anschließend vertiefte Monsignore Schmid das Jahresthema „Eine Symphonie im Gebet – Die Psalmen“. Allzu leicht gingen die Psalmen, die im Gottesdienst zwischen der ersten und zweiten Lesung gelesen oder gesungen werden, im Ablauf der Liturgie unter. Dabei seien sie eigentlich „das Gebetbuch unserer Kirche schlechthin“.
In den Psalmen finde sich die ganze Fülle menschlichen Lebens wieder: Freude und Lob, Dank und Jubel, aber ebenso Klage und Schmerz. Es gibt Halleluja- und Lobpsalmen ebenso wie Klagepsalmen und Inthronisationspsalmen. Schon die Heilige Familie habe diese Gebete gekannt und gebetet – im Tempel, zu Hause, an Festtagen und passend zur jeweiligen Lebenssituation.
Genau darin liege die besondere Kraft der Psalmen: „Das ganze Leben klingt zusammen in den Psalmen“, machte der Zentralpräses deutlich. Der Begriff „Symphonie im Gebet“ sei deshalb bewusst gewählt. Sein Appell an die Sodalen: den Mut aufzubringen, selbst einmal einen Psalm zur Hand zu nehmen, einzelne Verse in Ruhe zu lesen und sie in Stille auf sich wirken zu lassen.
Diskussion über Kirche und Gesellschaft
Dass Glaube nicht nur im Kirchenraum stattfindet, zeigte sich anschließend in einer lebhaften Diskussion. Dabei ging es auch um die Frage, welche Rolle die Katholische Kirche und insbesondere ihre Amtsträger in der derzeit politisch aufgeladenen Situation angesichts aktueller Wahlergebnisse einnehmen sollen, dürfen oder müssen.
Einig war man sich darin, dass Parteipolitik nicht Aufgabe der Kirche sein könne. Gleichzeitig wurde die Frage aufgeworfen, wie deutlich christliche Grundwerte angesichts gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen zur Sprache gebracht werden sollten.
Mit den Terminhinweisen von Bezirksobmann Josef Zimmerer und dem gemeinsamen „Gebet-Engel des Herrn“ ging ein Bezirkskonvent zu Ende, der nicht nur organisatorische Fragen behandelte, sondern vor allem eines deutlich machte: Die alten Gebete der Psalmen haben auch heute noch ihren Platz – mitten im Leben und mitten in einer Zeit, in der Freude und Sorge, Zuversicht und Unsicherheit eng beieinanderliegen.







Autor und Fotos: Herbert Ettle, Consultor