Leitwort unseres Zentralpräses Msgr. Thomas Schmid


Liebe Sodalen, liebe Freunde der
Marianischen Männer Congregation

Das wohl älteste Mariengebet der Christenheit, ist uns Sodalen sehr vertraut! Seit unserer Aufnahme in die Congregation beten wir es täglich:

Unter deinen Schutz und Schirm
fliehen wir
o heilige Gottesgebärerin.

„Fliehen“, das heißt zunächst einmal weglaufen, dem aktuellen Geschehen entkommen, sich dem Jetzt entziehen! Ich „fliehe“, wenn mich irgendetwas oder irgendjemandem in die Flucht treibt. Da mag es für so manchen Fluchtversuch viele Gründe geben, doch meist ist es atemraubende Angst, die sich ins Leben mischt, die den Blick auf die eigene Zukunft dicht benebelt und undurchschaubar macht, die das innere Befinden verdüstert und bedrückt… dann ist ruhiges und sachliches Denken so schwer; klares und abwägendes Auslosten der gegebenen Situation ist dann kaum möglich. Wenn‘s eng wird ums Herz, wenn das Leben zu zittern beginnt, wenn man sich selber zu schwach oder gar ohnmächtig fühlt, wenn irgendwie alles zu viel wird und man spürt, dass man immer weniger Herr seiner Lage ist… wenn jede Entscheidung scheinbar doch wieder auf den falschen Weg führt oder wenn es nur noch einen Ausweg aus einer Sackgasse gibt, dann hört man in Gedanken immer öfter den vermeintlich rettenden Ratschlag: „flieh!“. Was aber bedeutet dann dieses „flieh!“? – Heißt es: „Lauf davon!“, „Entzieh dich deiner Gegenwart!“, „Lass alles und alle einfach zurück und such eine neue Welt!“? – „Verlass dein Leben und bau dir ein neues auf!“ –

Auch wenn es so mancher von uns diese Gedanken im Tiefsten nachvollziehen kann, so bedeuten sie doch im Letzten nichts anderes als einen Wettlauf mit eigenen Vorstellungen vom Leben, die sich nun nicht verwirklichen lassen oder zerbrechen, dieses „Fliehen“ bedeutet nichts anderes als ein zielloses Davonlaufen…und sobald man irgendwo auf dem Lebensweg wieder stehen bleibt, mit sich allein ist und zur Ruhe kommt holen einen die zurückgelassenen Ängste und ungeheilten Verletzungen, die gemachten Fehler und unwiderbringlichen Verluste wieder ein. Wenn Fliehen nicht mehr heißt als „Davonlaufen“, dann wartet am Ende nur noch mehr Unruhe. Wenn die alte nachlaufende Angst verhindert, dass man zur Ruhe kommen kann, um das Leben wieder zu verinnerlichen, um das Leben echt zu leben, dann ist man auf dem besten Weg, sein Leben bis zum bitteren Ende zu veräußern… zu verlieren.

Unser „Fliehen“ ist kein zielloses Davonlaufen! Wir verlieren uns nicht in der Weite des Lebens. Wir folgen unserer „gesunden“ Seele, die uns in Bedrängnis ins Herz flüstert: „Lauf heim!“ – „Geh zur Mutter! Streck deine Hand dem Bruder hin! Flieh dich zum Vater!“ – „Erinnere dich an den Geist, in dem deine Vorfahren und gläubigen Mitmenschen leben!“

Unser Fliehen ist ein Heimlaufen in den Schutzraum einer selbstlosen Liebe. Wenn wir „fliehen“ wollen wir nicht in alleHimmelsrichtungen auseinanderlaufen, wir wollen uns nicht verlieren, sondern unsere Sehnsucht in einen Raum der Geborgenheit tragen, weil wir wissen, dass wir dort gut aufgehoben und geschützt sind.

Unter deinen Schutz und Schirm
fliehen wir
o heilige Gottesgebärerin.

Wir gehen dorthin, wo Maria der Liebe einen Tempel bereitet hat, den Tempel ihres Leibes. Wer zu Maria sich flieht, der kommt zur menschgewordenen Liebe, die in ihr lebendig ist, um aus ihr immer wieder neu der Welt geboren zu werden. Maria suchen heißt den Heiland finden, den, der vor mehr als 2000 Jahren in menschlicher Gestalt „Schutz und Schirm“ bei Maria und Josef gesucht und gefunden hat.Sich zu Maria „fliehen“ heißt in gewisser Weise also auch, den Weg Gottes mitzugehen, um dort anzukommen, wo das Leben eine neue erlösende Lebendigkeit findet.

Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

Wenn uns auch das Leben oft zum Davonlaufen sein mag und wir uns dann klein und schmächtig vorkommen, wenn uns das Leben manchmal verhöhnen will und wir uns hilflos, alleingelassen oder gar verachtet erleben, dann wissen wir, dass Maria unsere Nöte aufnimmt, sich von ihnen im Herzen berühren lässt und unser Beten nicht abtut. Sie fragt nicht ob wir aus Selbstmitleid kommen oder aus Feigheit, sie macht es nicht von unseren Fehlern abhängig, ob sie uns annimmt und lässt uns auch nicht stehen, wenn wir selbstverschuldet in letzter Minute erst um Hilfe bitten. Auch wenn wir allzulang uneinsichtig waren und fälschlicherweise nur auf uns selbst vertraut haben, verschließt sie uns in unseren Gefahren nicht den Weg der Umkehr zur Versöhnung, sondern lässt wahr werden was wir beten ...

sondern erlöse uns jederzeit
von allen Gefahren,

…wer zu ihr ehrlich in der Sprache des Himmels spricht: von Herz zu Herz, der wird Maria als die porta coeli erleben, als die Pforte zum Himmel, zum Himmel der Heilung in dieser Welt und als die Pforte zum ewigen Himmel der Vollendung in Gott. Maria ist in allen Gefahren das Tor zur Erlösung und zu einem geheilten und erneuerten Leben.

Wer zu ihr sich flieht, muss auch durch Dunkel und Kälte, aber am Ziel wartet die „Glorwürdige“, die Gott in ein Licht gestellt hat, das jeder Finsternis standhält. Sie ist die Frau im Licht, gehüllt in göttliche Ausstrahlung, die sie widerspiegelt und mit der sie unsere Herzen erleuchten will. Sie ist die Jungfrau, die, die sich ihre Empfänglichkeit immer für Gott bewahrt, damit sie ohne Ende von Herzen geben kann, was Gott ihr ans Herz gelegt…besser gesagt: unters Herz gelegt hat. Die „Gebenedeite“ ist sie, weil sie von Gott für immer würdig gemacht und auf ewig für gut befunden wurde, den göttlichen Erlöser ins sich zu tragen, zu gebären und zu begleiten. So bleibt sie auf ewig unsere Zuflucht und unser Tor zu Gott, die

glorwürdige und gebenedeite Jungfrau.

Wenn‘s eng wird ums Herz, wenn das Leben zu zittern beginnt, wenn man sich selber zu schwach oder gar ohnmächtig fühlt, wenn irgendwie alles zu viel wird und man spürt, dass man immer weniger Herr seiner Lage ist… wenn jede Entscheidung scheinbar doch wieder auf den falschen Weg führt oder wenn es nur noch einen Ausweg aus einer Sackgasse gibt, dann muss das für uns nicht heißen: „Lauf davon!“, „Entzieh dich deiner Gegenwart!“, „Lass alles und alle einfach zurück und such eine andere Welt!“? – Für uns heißt es dann: „Geh heim, bete und bekenne:

Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorüber gehn.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

Dein Mantel ist sehr weit und breit,
er deckt die ganze Christenheit,
er deckt die weite, breite Welt,
ist aller Zuflucht und Gezelt.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte!

Maria, hilf der Christenheit,
zeig deine Hilf uns allezeit;
mit deiner Gnade bei uns bleib,
bewahre uns an Seel und Leib!
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte!

O Mutter der Barmherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr,
zu jeder Zeit in aller Gefahr.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.